Olli Schulz

Im Innenhof des Zakk in Düsseldorf warte ich auf meinen Termin mit Olli. Mit mir wartet noch jemand, den ich sofort erkenne und, der macht, was er gut kann und gerne tut, damals jedenfalls, reden und rauchen. Wie es heute, sechs Jahre später, mit dem Rauchen steht, weiß ich nicht, das Reden aber ist geblieben. Es ist Olli selbst, der den ganzen Hof kreuz und quer, bis in den letzten Winkel abläuft, während er auf seinen Auftritt wartet, als wäre er PacMan, der sich hier durch Punkte von Level zu Level frisst, während er von einem einzigen Gespenst verfolgt wird, das dann wohl ich bin. Er nimmt mich grob wahr, ist aber viel zu sehr in sein Telefonat vertieft und weiß noch nicht, dass er mich später noch sehr viel wahrer nehmen wird, während der zehn Minuten, in denen wir Fotos machen. Als das Telefonat vorbei ist, ruft er jemand anderen an und dann redet er wieder eine gefühlte Ewigkeit und dann ruft er wieder jemanden an und als er fertig ist, klingelt sein Telefon. Als Kind habe ich immer gedacht, dass jedem Menschen nur eine bestimmte, gleiche Anzahl von Worten zur Verfügung steht und, wenn man die aufgebraucht hat, dann kann man nichts mehr sagen oder platzt oder verschwindet und ist dann einfach weg. Olli ist der Beweis dafür, dass das Leben an dieser Stelle doch anders funktioniert, als sich das Kinder manchmal ausmalen. Auch auf seinen Konzerten ist der Redeanteil gefühlt höher, als der musikalische, ist aber nicht schlimm, denn dem was er erzählt, seinen Anekdoten aus seiner Zeit als Roadie zum Beispiel, hört man gerne zu und gerne auch immer wieder.


Düsseldorf, im Sommer 2010

Olli Schulz (*1974 – deutscher Musiker)

Photos & Texts © 2018 by Alexander Mirsch.